Moderne Diagnostik und Therapie von Erkrankungen des Mittelohres 

 
In unserer HNO-Praxis hat die Diagnostik und Therapie akuter Mittelohrerkrankung mit und ohne vergrößerter Adenoide (Rachenmandel =Volksmund „Polypen“) einen sehr hohen Stellenwert. Die meisten dieser Eingriffe werden in unserer Praxis ambulant und nur bei Bedarf kurzstationär (1 Nacht in unserer Klinik zur Beobachtung) durchgeführt.
 

Was ist das Mittelohr?
Das paarig angelegte Mittelohr ist im Prinzip eine Nasennebenhöhle (NNH), da es über die Tube (Mittelohr-Nasengang) mit der Nasenhaupthöhle verbunden ist. Die Tube und das Mittelohr sind mit Schleimhaut ausgekleidet und die erfüllen die Aufgabe der Schalleitung (Schalltransport vom Trommelfell zum Innenohr) und des Druckausgleichs. In Deutschland kommt es etwa bei 2 Mio. Menschen zu einer akuten Entzündung des Mittelohres. Wenn die konservative Behandlung versagt,
ist häufig eine Drainage zur Trockenlegung eines Ergusses im Mittelohr notwendig. Dabei wird zum einen ein Golddrahtröhrchen in das Trommelfells eingebracht, 
oder mit dem LASER ein Drainageloch gestanzt. Darüber hinaus wird ggf. in gleicher Sitzung eine vergrößerte Rachenmandel, die zum einen als chronischer Entzündungsherd zum anderen als mechanisches Tubenhindernis wirken kann, entfernt.
Diagnostik:
Am Anfang der Diagnostik steht die Anamnese, also die Befragung nach Beschwerden und dem zeitlichem Auftreten dieser. Wegweisend sind ein Schnupfen oder eine Erkältung mit einer Hörminderung und plötzlich aufgetretenen Ohrenschmerzen, chronischer Tubenkatarrh und allergische Beschwerden wie Heuschnupfen. Zur Diagnose führen schließlich die mikroskopische Spiegeluntersuchung der Ohren und die endoskopische des Nasenrachens und verschiedene Hörtests. Ergänzend werden ggf. Allergietestes und bakteriologische Untersuchungen gemacht.
Konservative Therapie:
Zunächst sollen die Tubenöffnungen durch abschwellende Nasentropfen befreit werden und der Schleimfluss mit Schleimlöser verbessert werden. Wichtig ist dabei, dass die Nasentropfen bei etwas zurückgelegtem Kopf (Kopf in den Nacken nehmen wie beim Blick nach vorne oben) eingebracht werden und 2-3 Minuten einwirken; danach soll der Schleim schnarrend nach hinten
gezogen werden und der Valsalva-Versuch durchgeführt werden (Luft in die Mittelohren pressen bis es „knackt“). Bei Schulkindern empfehlen wir die Anwendung des „Otovent-SystemsR“ hierbei erfolgt nach spielerischem Aufblasen eines Luftballons über die Nase mittels eines Adapters der Druckausgleich. Bei kleineren Kindern empfehlen wir dem Kind mit einem Finger den Mund zu
verschließen, und mit dem eigenen Mund dosiert Luft in Nase des Kindes zu blasen. Zur Druckkontrolle wird mit der anderen Hand die eigene Nase geschlossen und der Druckausgleich der eigenen Mittel-Ohren beobachtet: Es gilt die Faustregel, dass zu stoppen ist, wenn der Selbsttest erfolgreich war! Darüber hinaus werden antibiotische Tabletten oder Saft, Schleimlöser sowie schmerzstillende Zäpfchen oder Tabletten verabreicht.
Komplikationen:
Bei der akuten Mittelohrentzündung können sich sehr schnell Komplikationen entwickeln. Am häufigsten greift dabei die Infektion auf benachbarte Regionen des Mittelohres -das Innenohr- über z.B. plötzliche Hörverschlechterung. Ferner besteht grundsätzlich die Gefahr einer Hirnhautentzündung oder einer Ohrknocheneiterung.

 

 

Mikroskopisch gestützte Paukendrainage mit Röhrchen oder LASER
Das Prinzip der OP ist die Beseitigung von Entzündung des Mittelohres und der Drainage des Paukenergusses (Loch des Trommelfells mittels LASER oder Golddrahtröhrchen). Der LASER findet im Bereich der Kopf- und Halschirurgie unterschiedlichste Anwendungen. Durch diese neuen Entwicklungen sind minimal invasive Eingriffe auch am Gehörgang, Trommelfell und Mittelohr
erst möglich geworden. Mit verschiedenen LASERsystemen kann hier nahezu blutungsfrei operiert werden, wodurch eine schnelle Wundheilung und minimale Schmerzbelastung (Verzicht auf Drahtröhrchen) für den Patienten erreicht wird. Die LaserPaukenDrainage (LPD)erfolgt mit einem kurzen LASERimpuls in  Narkose oder örtlicher Betäubung, dabei wird ein kreisrundes Loch im Trommelfell
ausgestanzt und der Erguss abgesaugt. Bei der herkömmlichen DrahtPD erfolgt die Drainage über ein Röhrchen, das in örtlicher Betäubung oder Vollnarkose eingebracht wird. Drahtröhrchen werden bei uns üblicherweise nach 10-14 Wochen wieder entfernt.  
Vergrößerte Rachenmandeln (hyperplastische Adenoide)
Da die Ursache für Mittelohrentzündungen sehr häufig in entzündeten oder chronisch vergrößerten Rachenmandeln liegen, muss geprüft werden, ob diese evtl. in einem Narkoseeingriff entfernt werden sollen.  Bei älteren Kindern sind gelegentlich auch bereits die Nebenhöhlen (Kieferhöhlen) miterkrankt und sollten ggf. mitbehandelt werden. Die Patienten klagen hierbei über behinderte Nasenatmung, sind häufig Mundatmer und Schnarcher. Dies führt nicht selten zu Austrocknung der Hals-Rachen-Organe
mit Entzündung der Gaumenmandel. Vielerorts wird dann eine Entfernung der „Mandeln“ angeraten, was jedoch wie hier dargestellt wurde, keine ursächliche Therapie ist.

 

Nachbehandlung:
Ein stationärer Aufenthalt ist wenn überhaupt, nur für eine Nacht erforderlich, die meisten kleineren Eingriffe können ambulant durchgeführt werden. Die Ohrpflege umfasst nun das Trockenhalten des operierten Ohres (Vorsicht v.a. mit Seifen-Badewasser), solange dieses „undicht“ ist. Tuben durchblasen. Wichtig: Bis zur völligen Ausheilung können manchmal einige Tage bis Wochen vergehen. In dieser Zeit empfehlen wir die Pflege der Ohren weiter fortzuführen und die regelmäßige HNO-ärztliche Kontroll-untersuchung im ersten halben Jahr 6-12-wöchig, im zweiten Halbjahr 2-3-monatlich, im zweiten und dritten Jahr halbjährlich danach einmal pro Jahr.
 
Für weitere Fragen stehen wir gerne zur Verfügung!
 
IHR HNO-PRAXIS-TEAM DR. STRASSER